Einige Gedanken zum Thema…
Über Tango lässt sich viel erzählen, austauschen, psychologisieren, zahlreiche Bücher und Abhandlungen sind dazu veröffentlicht worden. Wenn Tango eine Parabel auf gelebtes Leben ist, dann sind die Sichtweisen und Blickwinkel auf ihn von großer Bandbreite und natürlich immer subjektiv eingefärbt. Tango lehrt und fordert daher gegenseitige Toleranz, die Verkünder absoluter Wahrheiten und rigider Tanzideologien sind im freilassenden Feld des Tango ebenso zu finden wie die Befürworter von „Neolongas“, die die Tangomusik als solche gar nicht mehr brauchen für das, was sie Tango nennen. Jeder Einzelne sucht und findet seinen Platz in der weiten Tangowelt.
Die Grundidee im Tango ist die Improvisation. Tango ist ein offener Prozess, der sich immer wieder aus sich selbst heraus erneuert und seine schöpferische Kraft jedem schenkt, der ihn verstehen will. Der Literat Todaro sagte über den Tango: man muss ihn mit Zärtlichkeit tanzen, mit Kraft und mit viel….Arbeit! Ja, Arbeit! Für die meisten hört sich das schrecklich an, denn sie suchen Entspannung und Spaß in der Gemeinschaft. Warum auch nicht? Tango fordert die Auseinandersetzung. Regelmäßiges Üben, wichtiger: Zeit! Er will zudem auch auf einer tieferen, seelischen Ebene gesehen werden. Tango Tanzveranstaltungen sind hoch verdichtete Psychodramen. So man sich darauf einlässt…wenn nicht, lässt es sich besser schlafen.
Tango tanzen ist Improvisationskunst auf hohem Niveau. Wenn ich gut tanzen kann, gestalte ich aus dem musikalischen Moment heraus Bewegungen, die zur Musik und zur Stimmung passen und beherrsche gleichzeitig die Kunst, meiner Tanzpartnerin die Absicht meiner Bewegung im richtigen timing zu vermitteln. Über den Tanz in die Mitte einer anregend schönen Musik zu gelangen und dies mit dem Partner zu teilen kann ein authentisches, lebendiges Glücksgefühl auslösen. Was ist wichtig? MEIN Tanz oder UNSER Tanz?

In Beziehung mit dem Partner sein. Ich habe als Tänzer immer die Wahl: tanze ich eher für mich, meine Technik, meine Gesehen-Werden, meinen persönlichen Ausdruck, mein Bedürfnis nach Anerkennung…oder tanze ich für und mit meinem Partner. Gleichsam mit vier Beinen…den Aspekt des gemeinsamen Erlebens immer im Herzen, mit der Nähe des Tanzpartners im Reinen und offen für ihn, getragen von gegenseitigem Respekt und grundsätzlicher Achtsamkeit. Ich kann den Tango als Tanz der Herzen gestalten und erfüllt nach Hause gehen.

Tanzen soll vor allem aber auch Spaß machen! Und das behalten wir, als wichtigen Aspekt unserer Arbeit, immer im Auge!
